Scientific Veranstaltung

Süchte verstehen Veränderte Denkweisen

Parallelvorträge (P4)

EINE ÖKOLOGISCHE ANNÄHERUNG AN DAS THEMA SUCHT 
Prof. Jean-Félix SAVARY

Sucht ist keine Krankheit „per se“, sondern kann als Standardstrategie angesehen werden, die manche Menschen anwenden, um Schwierigkeiten in ihrem emotionalen Leben und ihren Beziehungen zu anderen anzugehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass in einem harten Leben psychoaktive Produkte als vorübergehende Lösung zur Schmerzbewältigung verwendet werden können. Das Problem ist, dass sich ein Problem mit der Zeit zu einem mentalen Gesundheitsproblem entwickeln kann, das in unserer Biologie und Umwelt verwurzelt ist. Daher sind Menschen mit Suchtverhalten im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit von Armut überrepräsentiert, was diejenigen, die an vorderster Front stehen, vor Herausforderungen stellt. Von außen kann manches Verhalten als nicht rational angesehen werden und wir könnten versucht sein, „zu helfen“, indem wir ihnen sagen, was sie tun sollen. Mit der Zeit haben wir gelernt, dass es wichtig ist, Menschen mit Suchtproblemen nicht zu verurteilen, da dies das Stigma und die Scham, die Menschen empfinden können, nur verstärken kann. Eine konstruktive Haltung besteht darin, die Person im Laufe ihres Lebens so anzunehmen, wie sie ist, und jegliches Urteilen zu vermeiden. Diese Haltung ist im Paradigma der Menschenrechte verwurzelt und gibt der Person die Möglichkeit, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Sucht ist heute allgegenwärtig. Von sozialen Medien bis hin zu Glücksspielen gibt es viele Möglichkeiten, sich an einem solchen Verhalten zu beteiligen. Obwohl es nicht immer schlecht ist, stärkt es unsere Fähigkeit, mit Stress und fehlenden sozialen Kontakten umzugehen. Diese Vision verändert das Verständnis, das wir darüber haben sollten, was Sucht ist und wie der soziale Kontext eine Schlüsselrolle in diesem Prozess spielt. Wie sollten wir Sucht sehen und wie können wir ihr begegnen? Der Vortrag wird einen breiteren Blick auf die Sucht werfen, der es uns ermöglicht, die moralistische Vision davon zu überwinden und die Person dort besser willkommen zu heißen, wo sie/er ist. Wir werden Sucht aus ökologischer Perspektive betrachten, basierend auf der Schweizer Drogenpolitik, dem Internet und dem Fachwissen von Fachleuten.

Tag 2

Donnerstag

19 Oktober

14.30 - 15.30 Parallele Vorträge
  • Code: P4
  • Duration: 60 min
  • Language: English
  • Translation: German - French
LECTURER

Prof. Jean-Félix SAVARY

Jean-Félix Savary ist seit 2022 Direktor der Hochschule für Sozialarbeit in Genf. Als ehemaliger Generalsekretär der GREA (schweizerischer Berufsverband Sucht) ist er seit fast 20 Jahren als Anwalt im Suchtbereich tätig für eine humane und wirksame Suchtpolitik, die auf den Menschenrechten fußt. Seine Hauptinteressen sind psychische Gesundheit, Sucht und Menschenrechte und die Analyse der öffentlichen Politik.  

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